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Leibniz, Gottfried Wilhelm

Autor: Martin Puaschitz (onestone)
Datum: 01-01-2002, 21:57:57
Referenzen: http://www.glossar.de/
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Als Philosoph trat er in die Welt der Technik. Seine Ideen haben die Technik revolutioniert und den Grundstein für die Elektronik und damit die Computertechnik gelegt.

Er war - und das dürfte unbestritten sein - einer der größten deutschen Denker. In seinen Schriften ist zu lesen: "Beim Erwachen hatte ich schon so viele Einfälle, daß der Tag nicht ausreichte, um sie niederzuschreiben." Da mag vielleicht ein wenig Selbstberäucherung mitgeschwungen haben. Fest steht jedoch, daß jene Ideen, die er uns hinterlassen hat, mehr waren, als viele Universitäten in jahrhundertlanger Forschungsarbeit vorlegen konnten. Ernst R. Sandvoss hat seine Biographie über Leibniz mit "Jurist - Naturwissenschaftler - Politiker - Philosoph - Historiker - Theologe" überschrieben. Da klingt schon an, daß das Lebenswerk dieses Denkers in die Struktur keines herkömmlichen Gelehrtenlexikons gepreßt werden kann. Leibniz wirkte fakultätsübergreifend, wobei er die Tummelplätze seines wissenschaftlichen Wirkens geschickt wieder zu logischen Einheiten verwob. Das ließ seine Entdeckungen und Erfindungen nicht im leeren Raum stehen, sondern schuf ihnen ein breites dokumentarisches Feld. Noch mehr: Er schuf ihnen erst ihre logische Berechtigung. Das war sicher auch ein Grund, warum viele Thesen und Erfindungen von Leibniz nicht im wissenschaftlichen Meinungsstreit aufgerieben wurden, sondern sich kritiklos als Allgemeingut aufbauten.

Vom Unterseeboot bis zur Fiebermessung

Leibniz wird heute noch als Vordenker der Mathematik und Elektronik bezeichnet. In vielen Nachschlagewerken werden eine Reihe seiner Erfindungen und Entdeckungen verschwiegen. Oft sogar mit Absicht. Eine vollständige Aufzählung würde Platzprobleme verursachen. Um nur Schlaglichter zu setzen: Der Mann

kümmerte sich um Pläne für ein Unterwasserboot,
verbesserte die Technik der Türschlösser,
erfand ein Gerät zur Bestimmung der Geschwindigkeit des Windes,
riet den Ärzten, bei Kranken regelmäßig die Körpertemperatur zu messen (was damals noch keine Selbstverständlichkeit war),
betrieb die Gründung einer Witwen- und Waisenkasse,
brachte lange vor Siegmund Freud den Beweis für das Unterbewußtsein des Menschen,
entwickelte ein Instrument zum Absaugen des Grubenwassers und
erfand die Infinitesimalrechnung und das mit 29Jahren.

Die Infinitesimalrechnung - auch Unendlichkeitsrechnung genannt - erklärte Leibniz an einem Tintenklecks. Die Fläche dieses Kleckses sollte berechnet werden. Das war unmöglich. Bis Leibniz auf die Idee kam, die Fläche in unendlich kleine Einheiten aufzulösen. Also: Die Fläche läßt sich zuerst einmal in kleinere Flächen auflösen. Bestes Beispiel dafür ist ein Rechenpapier, das in Kästchen eingeteilt ist. Ein Tintenklecks auf diesem Papier bedeckt eine bestimmte Anzahl der Kästchen. Diese Fläche läßt sich bestimmen. Aber es gibt auch Kästchen, deren Fläche von den Konturen des Kleckses nur angeschnitten sind. Die Fläche dieser angeschnittenen Kästchen läßt sich nicht genau bestimmen.Leibniz hat nun mit Hilfe der von ihm erfundenen Infinitesimalrechnung gedanklich die Fläche der Kästchen so stark verkleinert, bis es keine Kästchen mit angeschnittener Fläche mehr gibt. Die Infinitesimalrechnung arbeitet mit Kästchen, die optisch nicht mehr wahrnehmbar und nur noch mathematisch erfaßbar sind.

Was für ein Mensch war nun dieser Gottfried Wilhelm Leibniz, der - und das muß seiner Vita vorangestellt werden - sein phänomenales Gedankenwerk der Welt auf 75 000 Zetteln hinterlassen hat? In Stichworten:

Am 21. Juni 1646 in Leipzig geboren.
Mit 14 Jahren wird der seinen Altersgenossen geistig weit überlegene Knabe an der Universität eingeschrieben.
Mit 20 will er zum Doktor der Rechte promovieren. Doch das schreckt das ältere Establishment an der Universität. Die Professoren lehnen ihn als zu jung ab.
Was ihm in Leipzig verwehrt wird, holt das Genie an der Universität von Nürnberg nach.
Das Universalgenie litt an Minderwertigkeitskomplexen und war so auch nicht in der Lage, seine Fähigkeiten in klingende Münze umzuwandeln. Sein sächsischer Akzent und ein sehr offenkundiger Sprachfehler schwächten sein Selbstvertrauen. Dazu kamen optisch etwas ungünstige Körpermaße, die seine Arme und Füße zu kurz erscheinen ließen.

Leibniz starb 1716. Seine letzten Jahre quälte ihn die Gicht.

Von der Religion zum Zahlenwerk

Es ist erstaunlich, aber wahr: Leibniz kam über eine geistige Auseinandersetzung mit der Religion zu seinem Zahlenwerk. Seine Devise: Ohne Gott ist nichts. Für Gott setzte er die Eins und für das Nichts die Null. Gleichzeitig beschäftigte ihn die Sprache. Und er erkannte, daß sie ständig Fehler zuläßt. Weiter gedacht: Verständigungsschwierigkeiten führen zu Konflikten. Leibniz versuchte, diese Auslöser von Konflikten zu minimieren, ja ganz auszurotten. Dabei meinte er zu erkennen, daß unser Denken eigentlich ein Rechenvorgang sein müßte. Da schließt sich die Klammer zu seiner Religiosität und der These von Gott oder Nichts (1 und 0). Er wollte eine "sichere und logische" Symbolsprache erfinden. Daraus folgte das Dualsystem, ohne die die Elektronik und die Funktion von Computern nicht möglich wären. Der Weg zur Rechenmaschine war frei. Im Jahre 1673 führte Leibniz sein Modell in London vor.

Das Lebenswerk dieses genialen Mannes zu würdigen, ist bis heute kaum möglich. Es läßt sich nur erahnen. Ein Fazit kann erst gezogen werden, wenn alle seine Schriften ausgewertet und veröffentlicht sind.




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