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Datensicherung

Autor: Martin Puaschitz (onestone)
Datum: 01-01-2002, 21:50:04
Referenzen: http://www.glossar.de/
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Datensicherung ist Pflicht

Das Oberlandesgericht Karlsruhe entschied, daß EDV-Anwender für die Sicherung ihrer Daten selber verantwortlich sind (Aktenzeichen 10 U 123/95). Im vorliegenden Streitfall wurde ein Softwarehaus verklagt, weil bei der Installation eines Scanners versehentlich eine Kundendatei gelöscht wurde. Die Klage wurde abgewiesen, weil das Softwarehaus zu Recht unterstellen durfte, daß eine Sicherungskopie der sensiblen Daten vorhanden sei.

Um den Wert einer regelmäßigen Datensicherung wirklich schätzen zu können, muß man mindestens einmal wichtiges Material verloren haben - z.B. einen 13-seitigen Abschlußbericht, der in einer Stunde abzugeben ist, oder eine komplexe Konstruktionszeichnung, die eigentlich schon vorgestern hätte fertig sein sollen. Vermutlich muß man den inneren Zorn einfach mal erlebt haben, der in jedem Menschen aufsteigt, wenn er Buchstabe für Buchstabe, Linie für Line längst erledigte Arbeiten von Grund auf noch einmal in die "blöde Kiste" eingeben muß. (Wirkliche Erlösung von diesem Trauma finden viele Leidtragende übrigens erst dann, wenn sie als Unbeteiligte voll der Schadenfreude einen Daten-GAU miterleben durften und dabei die Gelegenheit hatten, das Gesicht des Betroffenen in Mimik und Farbe beobachten zu können.)

Besonders in Ingenieurbüros - z.B. in denen von Architekten - werden Projekte über Jahre entwickelt und realisiert, langfristig gemanagt und nach spätestens 5 Jahrzehnten wieder um- oder ausgebaut. Immer wieder müssen die Planer dazu auf ihre alten Daten zurückgreifen können - aber wie sicher stehen diese dauerhaft zur Verfügung?

An den Menschen liegt es immer weniger, wenn wichtige Daten verloren gehen (sie gehen zunehmend verantwortlicher mit ihren Arbeitsergebnissen um), die gängigen technischen Konzepte für die Altagsarbeit sind vorbildlich, und die entsprechenden Systeme - allen voran RAID - nehmen dem kurzfristigen DatenGAU allemal den Schrecken. Wenn aber alte, vermeintlich dauerhaft gespeicherte Projektdaten reaktiviert werden müssen - also Zeichnungen, Ausschreibungen oder auch allgemeine Texte, die vor fünf oder mehr Jahre entstanden sind, wird es oft brenzlich.

Das US-amerikanische "Council on Library and Information Resources" stellte in diesem Zusammenhang Anfang 1998 fest, daß "vom Kochrezept bis zu einem Verzeichnis der Plutoniumlagerstätten digitale Informationen zu verschwinden drohen oder unerreichbar werden". Forschungen des National Media Lab sollen nämlich eine erschreckend kurze Haltbarkeit von Magnetbändern, Disketten und sogar CD-ROMs aufgezeigt haben: "Durchschnittliche CD-ROMs werden nach nur fünf Jahren unzuverlässig", schreibt der Council. Andere Untersuchungen trauen CDs zwar eine Datensicherheit von 20 bis 30 Jahren zu, aber das Thema Datensicherheit bzw. -verlust ist damit nicht befriedigend gelöst.

Aber selbst dann, wenn die gesicherten Daten im technisch binären Sinne noch in Ordnung sein mögen, stellt sich die Fragen nach den Geräten, die für ihre Reaktivierung benötigt werden - man denke z.B. an das antike 5¼-Zoll-Laufwerk, das - falls überhaupt noch vorhanden - möglicherweise seit Jahren nur noch als Lufteinlaß zur Rechnerkühlung dient und völlig zugestaubt ist, oder was ist mit dem alte Streamer für die 120MB-QIK-Bänder, dem 44MB-SyQuest-Laufwerk oder der einstigen High-Tech-Box des Schweizer Daniel Bernoulli!? Viele Datensicherungsgeräte der ersten Stunden sind heute kaputt, können in modernen Rechnern gar nicht mehr eingebaut werden, finden kein Interface oder werden von den aktuellen Betriebssystemen nicht mehr unterstützt,

Aber selbst dann, wenn die alten Daten auf die Festplatte zurückgespielt werden können, so ist noch eine dritte Hürde zu nehmen: die reaktivierten Daten müssen von der aktuellen Software noch akzeptiert werden. Aber wer kennt schon noch die Datei-Formate von Framework, Wordstar oder Deluxe Paint. Aber selbst wenn die jeweilige Software noch aktiv vertrieben wird, so ist nicht immer sichergestellt, daß die aktuelle Programm-Version die alten Dateien noch lesen kann .

Verlassen Sie sich immer noch auf Ihre gesicherten Daten? Am besten, man achtet selber auf die Qualität und Langlebigkeit der gesicherten Daten:

Wird eine neue Backup-Technologie angeschafft, sollte man unverzüglich die alten Datenbestände auf die neue Technologie übertragen. Wer sich auf einen Backup-Typ verläßt, ist verlassen. Neben der Sicherung der täglichen Arbeit auf einem Bandlaufwerk empfiehlt sich parallel die projektbezogenen Sicherung auf z.B. MO-, CD-R-, CD-RW-, DVD-RAM-Systemen - oder was sonst noch kommen mag. Erscheint eine neue Version einer Software, die neben funktionalen Neuerungen auch ein neues Datenformat verwendet, dann sollten ALLE Dateien SOFORT konvertiert werden. Bereits mehrfach konnte beobachtet werden, daß spätere Versionen verschiedener Programme alte Dateien nicht mehr konvertieren konnten. Texte, Bilder oder CAD-Dateien sollten nicht nur in dem proprietären Format der jeweiligen Software abgespeichert und gesichert werden, sondern auch in allgemeinen Dateiformaten, wie ASCII-TXT bzw. TIF, TGA oder BMP bzw. DXF, WMF oder HPGL.. Im Zweifelsfalle sollte man ein komplettes System, auf der die Kombination aus Betriebssystem, Backup-Hard- und -Software sowie den Anwendungen einwandfrei funktioniert, nicht verschrotten sondern in Watte gepackt hüten wie den eigenen Augapfel.




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