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AVI

Autor: Martin Puaschitz (onestone)
Datum: 01-01-2002, 21:48:41
Referenzen: http://www.glossar.de/
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AVI steht für "Audio Video Interleave". Audio/Videoformat von WINDOWS (Video für WINDOWS und Active Movie).

"Audio Video Interleave" heißt nichts anderes, als daß Audio- und Videodaten ineinander verzahnt, also "interleaved" abgespeichert werden. Die erste Definition von AVI ist so alt wie die Multimedia-PCs. Das Format wurde von Microsoft als einheitliche Lösung für die Wiedergabe von kurzen Videoclips geschaffen. Die ursprünglichen Festlegungen aus den Jahren 1992/93 lesen sich dabei fast vorsintflutlich:

15 Bilder pro Sekunde bei einer maximalen Auflösung von 160 x 120 Pixeln stellten damals die Obergrenze von AVI dar. Im Gegensatz zu anderen damals üblichen Animationsformaten wurde bei AVI die sogenannte Keyframe-Technik eingesetzt. Dabei wird lediglich jedes 12. bis 17. Bild (abhängig vom Bildinhalt) als Vollbild gespeichert. Für die dazwischen liegenden Frames werden nur die Unterschiede zum jeweils vorhergehenden Bild angegeben.Auch wenn diese ersten Definitionen alles andere als zukunftsträchtig klingen, gelang dem AVI-Format doch sehr schnell ein beachtlicher Siegeszug. Ein Grund dafür ist sicherlich die Tatsache, daß AVI als Bestandteil von "Video für Windows" bald fest mit Windows verknüpft war. Die entsprechenden Treiber standen und stehen für Endbenutzer kostenlos zur Verfügung.

Die große Verbreitung brachte es mit sich, daß AVI sehr bald als Standardformat für die damals boomenden Multimediaanwendungen galt. Denn ein AVI-Video konnte auf so gut wie jedem Windows-PC abgespielt werden. Mit den immer leistungsfähiger werdenden PCs wuchs auch die Definition von AVI. Die anfänglichen relativ engen Grenzen wurden immer stärker erweitert, und durch die offene Konzeption war es möglich, AVI weiter zu verbessern. Entsprechend wuchs auch die Nachfrage nach Software, mit der Entwickler und Anwender selbst AVI-Dateien erzeugen konnten. Die ersten Versionen von Videobearbeitungsprogrammen wie Adobe Premiere und Ulead Media Studio erblickten das Licht der Welt und wurden begeistert begrüßt. Waren damit doch endlich jene "Spielzeuge" geboren, die es ermöglichten, AVI-Clips mit möglichst vielen atemberaubenden Effekten zu produzieren. Denn genau das war die ursprüngliche Ausrichtung jener Programme, die heute für den digitalen Videoschnitt so hoch gepriesen wurden. Es handelte sich dabei um Multimedia-Tools zur Erzeugung von kurzen, effektvollen AVI-Clips - und genaugenommen tut es das immer noch.

Doch gleichzeitig entdeckte der Markt auch die Videofilmer für sich. Schließlich verhieß der digitale Videoschnitt eine völlig neue Dimension der Videonachbearbeitung. Zu diesem Zeitpunkt war die technische Entwicklung zwar für den ernsthaften Videoanwender noch nicht weit genug fortgeschritten, doch das wurde von den ersten "Videoschnittlösungen" beharrlich ignoriert. Einschränkungen wie lediglich ein Viertel der Bildauflösung beim Digitalisieren und regelmäßige Bildaussetzer gehörten zur Tagesordnung (siehe auch Videokompression). Denn sehr schnell mußten die Anwender feststellen, daß zwischen den Ansprüchen und den Ergebnissen große Unterschiede bestehen. In dieser entscheidenden Phase des Übergangs von der Multimedia- zur Videoanwendung versäumten es die Marktführer sowohl im Hard- als auch im Softwarebereich sich von den alten AVI-Strukturen loszusagen und neue Lösungen zu finden, die den geänderten Anforderungen gerecht werden. Denn während im Multimediabereich vor allem Clips und möglichst viele Effekte bei erträglichen Dateigrößen im Vordergrund stehen, legt der Videofilmer auf hohe Auflösung und möglichst lange Spieldauer Wert, ohne auf Dateigrößen achten zu wollen.

Der Grund für diese falsche Entwicklung lag und liegt sicherlich auch im großen Kostendruck. Die Einstiegslösungen für digitales Video dürfen nicht zu teuer sein. 1500 Mark stellten bereits eine Schmerzgrenze für eine Videokarte mit Schnittsoftware dar. Angesichts dieser Tatsache erschient es sinnvoller, die bestehende Software weiterzuentwickeln, als eine völlig neue Basis aufzubauen. Das bedeutete jedoch, auch weiterhin auf ein Dateiformat aufzubauen, das ursprünglich für 160 x 120 Pixel bei 15 Bildern pro Sekunde ausgelegt war. Daraus ergeben sich einige gravierende Nachteile. Der größte besteht einfach darin, daß es sich bei AVI um ein echtes Dateiformat handelt. Das heißt, ein AVI-Clip kann nur dann abgespielt werden, wenn er als eine vollständige Datei vor liegt (siehe auch Videostreaming). Daraus ergibt sich, daß selbst bei der einfachen Aneinanderreihung von Szenen in einem Videofilm das Ergebnis nicht sofort zur Verfügung steht. Auch wenn keinerlei Berechnung notwendig ist, so müssen doch die einzelnen Szenen in einer kompletten und intakten AVI-Datei abgespeichert werden, damit diese dann vollständig und ohne Rucken abgespielt werden kann. Bei längeren Sequenzen bedeutet das einen unnötigen Zeitaufwand, der vor allem dann um so schmerzlicher wird, wenn man erst beim fertigen Ergebnis erkennt, ob man nicht doch noch einige Änderungen durchführen möchte.

Aus der Erstellung einer neuen Datei ergibt sich aber noch ein weiterer, gravierender Nachteil. Um den fertigen Film erzeugen zu können, ist mindestens noch einmal soviel Festplattenplatz notwendig wie für die einzelnen, verwendeten Szenen, die sowieso bereits vorliegen. Das bedeutet, auch wenn die Festplattenpreise laufend sinken, daß zusätzliche, teure Plattenkapazitäten nur dazu notwendig sind, um das Endergebnis in einer Datei zusammenzustellen. Eine Lösung für dieses Problem hat z.B. MIRO bzw. Pinnacle mit dem Programm "Instant Video" gefunden, das diese Datenredundanz vermeidet.

Als Datei unterliegt der AVI-Clip zusätzlich allen Einschränkungen des jeweiligen Dateisystems. Besonders Anwender von Windows 95 haben das schmerzlich zu spüren bekommen, da dort die maximale Partitionsgröße auf zwei Gigabyte beschränkt war. Ein Videofilm, der mehr als zwei Gigabyte (oder 6 bis 10 Minuten Video) lang war (siehe auch Videokompression), konnte nicht in einem Stück erzeugt und bearbeitet werden. Erst mit den letzten Versionen von Windows 95 war diese Einschränkung durch die mögliche FAT32-Partitionierung von Festplatten behoben.

Wer nun meint, daß dem zumindest der Vorteil der Austauschbarkeit gegenübersteht, der irrt. Denn eigentlich sollte man annehmen, daß ein AVI-File als genormtes Datenformat problemlos zwischen allen AVI-Anwendungen austauschbar ist. Schließlich läßt sich auch ein GIF-Bild von jeder Software laden, die dieses Format unterstützt. Allerdings läßt sich beispielsweise ein AV-Master-AVI-Video (FAST Multimedia) nicht mit einer MIRO DC30 direkt weiterbearbeiten: Der Grund dafür liegt in der Tatsache, daß durch das offene Konzept jeder Hersteller das AVI-Format einfach an seine jeweiligen Bedürfnisse anpassen kann.

Ende der 19hundertundneunziger Jahre sind Videos auf dem PC erwachsen geworden. Dazu beigetragen haben umfangreiche Ergänzungen in Form von Codecs und hardwaregestützten Maßnahmen. Mit der DV-Master von FAST ist es beispielsweise möglich DV-Videos in voller Auflösung zu digitalisieren, zu bearbeiten und verlustfrei wieder aufs Band zurückzuspielen.

Erwähnt werden sollen aber auch Alternativen: blickt man sich um, so gibt es auch einige Lösungen, die Videobearbeitung am Rechner ermöglichen und nicht auf der AVI-Idee aufbauen. Beispiele sind die VideoMachine mit DPR (Digital Player and Recorder) von FAST am PC, das AVID-System am Macintosh und PC, das Media-100-System am Macintosh oder der Videoschnitt-Computer DraCo und dessen "kleiner Bruder" Casablanca. Allen diesen Systemen ist gemein, daß sie nicht dateiorientiert, sondern festplattenorientiert arbeiten. Das heißt, daß die Daten unter Umgehung des Dateisystems direkt und in für Videoanwendungen optimierter Form auf die Festplatten geschrieben werden.




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