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Arpanet

Autor: Martin Puaschitz (onestone)
Datum: 01-01-2002, 21:48:27
Referenzen: Internet-Summary - Die Begriffe rund ums Netz" von Eckart Holziner. Das Medienbüro Wien.
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Das Internet ist das weltweit größte Computernetzwerk, das aus vielen miteinander verbundenen Netzwerken und auch einzelnen Ressourcen besteht. Zu den wichtigsten Leistungen des Internets - man spricht auch von "Diensten" - gehören die elektronische Post (E-Mail), hypertextbasierter Content - also Inhalte - mit entsprechenden Suchdiensten (WWW), Dateitransfer (FTP) und Diskussionsforen (Usenet / Newsgroups). Weitere Dienste sind - der Vollständigkeit halber - Gopher, Telnet, Finger, Whois (als Vertreter einiger "alter" Dienste), Chat, Telefonie, Video, ICQ, ...

Die Bedeutung des Internets, der unumstrittenen Schlüsseltechnolige für das 21. Jahrhundert, wächst rapide. Populär geworden ist das globale Netz aber hauptsächlich durch Einführung des World Wide Webs, das nicht selten mit dem Internet gleichgesetzt wird, tatsächlich aber nur eine Untermenge - also einen von mehreren Diensten - des Internets darstellt.

Und auch inhaltlich wächst / wuchs das Internet exponential: Nicht wenige gehen davon aus, daß mittlerweile das gesamte Wissen der Menschheit per HTML-Dokumenten im Internet herumgeistert: Laut einer Studie der Wissenschafts-Zeitschrift 'Nature' gab es Mitte 1999 mehr als 800 Millionen Web-Seiten.

Etwas zur Technik: Im Internet wird das TCP/IP Protokoll eingesetzt. Alle am Internet angeschlossenen Computer und Ressourcen sind über eine IP-Adresse identifizierbar; sie besteht aus einer Zahlenkombination (wie zum Beispiel 209.204.209.212). An der Oberfläche werden Klartextnamen verwendet - sogenannte "Domain-Namen" (z.B. glossar.de archmatic.com, focus.de, akh.de). Die Zuordnung von Domain-Namen und IP-Adressen übernimmt der Domain Name Service (DNS).

Historischer Rückblick:

Als eine von mehreren Reaktionen auf den Sputnik-Schock wurde 1958 von dem amerikanischen Verteidigungsministerium die Forschungsbehörde "Advanced Research Projects Agency" - kurz ARPA - gegründet. Zielsetzung der ARPA war es, neue Technologien zu entwickeln und dabei auch nach Visionen und verrückten Ideen Ausschau zu halten. Das Institut schließt dazu Verträge mit Universitäten und der Wirtschaft.

1964 erfand Paul Baran für die Air Force das Distributed Network, das unter anderem die zu versendenden Daten in kleine Päckchen zerlegte. Auf der Basis von Barans Prinzip genehmigte ARPA 1968 den Aufbau eines Kommunikations-Netzwerkes - genannt: "ARPAnet" ("Advanced Research Projects Agency-NET). Es sollte Computer unterschiedlicher Marken und Betriebssysteme zu einem heterogenen Netz verbinden. Dazu zählte zunächst die landesweite Vernetzung verschiedener Forschungseinrichtungen. Eine der wesentlichen Ideen des ARPAnets war, nicht mit zentralen Servern und Leitungen zu arbeiten (wie die kommerziellen Anbieter - z.B. Compuserve), sondern die Ressourcen zu verteilten (siehe auch Rootserver, Routing, Tracing). Dadurch war das ARPAnet (und später das Internet) in der Lage, bei einer lokalen Zerstörung bzw. bei einem "zivilen" Ausfall von einzelnen Teilen des Netzes umgehend andere Strecken zur Datenübertragung zu verwenden.

J.C.R. Licklider zeichnete für die ersten Anfänge des neuen Netzes verantwortlich. Als Abteilungsleiter bei ARPA startete er 1962 gemeinsam mit Professor Leonard Kleinrock von der UCLA (University of California) das Projekt der vernetzten Computer. Anders als bei vorangegangenen Anläufen bestand bei der Entwicklung des ARPAnet die Absicht, in das entstehende Netz heterogene Hardware-Plattformen zu integrieren. Und etwa August/September 1969 wurde mit der standortübergreifenden Vernetzung von ARPA-Forschungseinrichtungen begonnen. Gegen Ende des Jahres waren die ersten vier Zentren miteinander verbunden: die Universität von Kalifornien (die im Übrigen als Wiege des ARPAnet bzw. des Internets gilt - siehe www.ucla.edu) in Santa Barbara mit dem Mainfraim-System IBM 360/75, das Stanford Research Institute mit einem SDS-940, die Universität von Utah mit einem PDP-10 und die Universität von Kalifornien in Los Angeles mit einem SDS Sigma-7. Im folgenden Jahr kamen auch Harvard und das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hinzu. Mitte 1971 waren dann mehr als dreißig verschiedene Computerzentren in das Netz eingebunden.

Die ersten beiden Anwendungsprogramme (Dienste) für das neue Netzwerk waren ein Programm zur Fernsteuerung fremder Rechner (Telecommunications Network = Telnet) und ein Programm für den Austausch von Dateien mit anderen Rechnern (File Transfer Protocol = FTP). Der E-Mail-Dienst (damals noch "Netzwerkpost" genannt) sowie entsprechende Programme folgten: 1971 steckten sie zwar noch im Forschungsstadium, doch der Nachrichten-Verkehr übersteigt bereits das Datenvolumen von Telnet und FTP. Die erste große E-Mail-Diskussionsgruppe (Mailingliste), die im Arpanet entstand, war die "SF-LOVERS"-Liste in den späten 70er Jahren, in der sich eine Reihe von ARPA-Forschern an öffentlichen Diskussionen über Science Fiction beteiligte.

Nach der ersten öffentlichen Präsentation im Jahr 1972 stiegt der Datenverkehr im neuen Netz sprunghaft um 67 Prozent an. Zugleich fand die erste experimentelle Verbindung zweier Netzwerke, ARPA- und "Tymnet", statt. 1973 wurden das auf Rundfunkwellen basierende "PR-Net" sowie über Satellit das "Alohanet" von Hawaii an das ARPAnet angeschlossen, womit das "Internetworking" geboren war. Wenig später verband das "Satnet", das gemeinsam mlt der britischen und der norwegischen Postbehörde finanziert wurde, Amerika mit Europa. Ab 1975 nutzten Aloha-, ARPA-, PR- und Satnet mit TCP/IP ein einheitliches Transmission Control Protocol.

Mit dem Programm UUCP tauschten ab 1978 Unix-Rechner Daten via Telefonleitung aus. Daraus entstand das sogenannte "Usenet", auf dessen Basis heute das News-System basiert. 1980 gab es eine erste inoffizielle Schnittstelle zwischen ARPA- und Usenet, und die Uni Toronto schließt sich als erste Einrichtung außerhalb der USA ans Usenet an. Seit 1985 dient das Usenet nicht mehr ausschließlich der Forschung.

1982 wurde eine Schnittstelle entwickelt, die das TCP/IP-basierte Internet mit X.25-basierenden Netzen verbinden konnte. Aber erst 1990 wurde das deutsche Win-Forschungsnetz ans das Internet angeschlossen.

20 Jahre lang war das ARPA- bzw. Internet "nur" ein Verbund teurer und raumfüllender Großrechner. Zugang hatten lediglich Wissenschaftler und Computer-Experten, die mit Kollegen an anderen Universitäten oder Forschungseinrichtungen kommunizierten. Das änderte sich erst 1989 mit der Abschaltung des ARPAnet und - ganz zaghaft - mit der Entwicklung des Hypertext-basierten World Wide Web am europäischen Kernforschungszentrums CERN in Genf durch den Engländer Tim Bernes-Lee. Seither kennt der Internet-Boom keine Grenzen. Die Zahl der Nutzer wächst wie oben beschrieben Jahr für Jahr in atemberaubender Geschwindigkeit.

Übrigens: Der Leiter von ARPA, Charles Hitzfeld, bewilligte für die Pilotarbeiten 1968 ein Budget von 500.000 Dollar. Zwei Jahre später betrug das jährliche Budget für das Arpanet bereits 2,2 Millionen Dollar. Die Universitäten Dortmund und Karlsruhe gelten als die Eltern des deutschen Internets. (Wer Mutter oder Vater ist, muß noch zwischen den beiden Hochschulen geklärt werden ;-)




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