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Die Entwicklung einer Informationsgesellschaft

Ein Überblick über die Entstehung der heutigen Mediengesellschaft, mit den verbundenen Vor- und Nachteilen


Autor: Patrick Jutz (fluid)
Datum: 31-08-2002, 10:48:13
Referenzen: Internet
Schwierigkeit: none
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Die Neustrukturierung der Bildungsmöglichkeiten

Heute ist es schon selbstverständlich, dass Computer Literacy, die Fähigkeit mit Rechenanlagen umzugehen, im Schulunterricht vermittelt wird. Man unterscheidet zwischen dem Computer als Lehrstoff und den Computer der selbst unterrichtet. Noch vor zwanzig Jahren hatte man das Potential der Computer als Arbeitswerkzeug in den Schulen völlig unterschätzt, man dachte mit der Anschaffung von ein paar Rechnern wäre das Problem gelöst.

Das Computer Based Training (CBT) gibt es schon lange auf Stand-Alone Geräten. Dabei handelt es sich um Rechner, die nicht an das Datennetz angeschlossen sind, sondern ein geschlossenes von außen nicht zugängliches System darstellen. Der Lernende steuert durch seine Eingaben die Abfolge der Lektionen, die er im Dialog mit dem Computer erarbeitet. Modernere Software geht dann noch auf genauere Aspekte wie die Lerngeschwindigkeit ein und stimmt sie auf den Benutzer ab. Diese Art von Unterricht findet immer mehr Zustimmung, da gut konstruierte Programme manchmal die Schüler mehr motivieren, als es ein Lehrer vermag. So gibt es zum Beispiel bei jeder gelösten Aufgabe ein kleines Spiel oder ein Video als Belohnung für die gute Aufgabe. Noch dazu kann der Schüler die Lektionen beliebig oft wiederholen oder Fragen öfters stellen, um so den Lernstoff zu vertiefen. Der persönliche Kontakt mit realen Lehrkörpern geht verloren, der Computer übernimmt diese Aufgabe.

So liegen auf zahlreichen Rechnern im Internet Lernprogramme zu jedem nur erdenklichen Wissensgebiet. Diese Programme werden oft dem Edutainment (Mischwort aus Education und Entertainment) zugeordnet. Edutainment beschreibt eine Softwarekategorie die Lehrhaftes mit Spielerischem verbindet. Laut Untersuchungen zeigen computerunterstützte Schulungen, die auf dem Prinzip des Edutainment basieren, bis zu 30 Prozent verbesserte Lernergebnisse.

Das Internet ist natürlich keine Alternative für solche Lernprogramme, es öffnen sich dem Lernenden nur andere Dimensionen. So können die Schüler länderübergreifend zusammen Teamarbeit üben. So gibt es im Usenet schon zahlreiche Newsgroups von einzelnen Schulklassen, die dort über ihre Arbeiten diskutieren. So erweitert der Schüler seine Ausdrucksmöglichkeiten und seine Sprachkenntnisse, wenn er zum Beispiel in internationalen Newsgroups mitdiskutiert. Die daraus resultierende Freiwilligkeit, die aus der Begeisterung für diese Art von Lernen resultiert, erhöht dementsprechend die Motivation.

Gerade im universitären Bereich, der massiv am Entstehen des Internet beteiligt ist, ziehen Studenten den größten Nutzen aus dieser Technologie. So schafft diese Kommunikationsmöglichkeit neue Formen internationaler Zusammenarbeit. Es halten weltweit Wissenschafter Kontakt mir ihren Kollegen, was vor allem kleinen universitären Instituten zugute kommt. Da das Budget dieser kleinen Universitäten meistens sehr beschränkt ist, können sie sich nicht die Reisekosten leisten. Über das Internet jedoch erhalten sie Zugang zu den Entwicklungen und Arbeiten großer Forschungsinstitute. Dabei recherchieren die Forscher im Web wie in großen wissenschaftlichen Datenbanken. So ist es kein Problem in den gesamten Buchbestand der Universitätsbibliothek Wien Einsicht zu nehmen, um dort nach jeglicher Literatur dem Wissensgebiet entsprechend zu forschen.

Aber das ganze Potential für die Universitäten ist damit noch nicht ausgeschöpft. Mittels Chat können virtuelle Vorlesungen erfolgen, die räumliche Beschränkungen aufheben. Es gewinnen Fernuniversitäten eine engere Beziehung zu den Studierenden und Lehrenden. Praktische Feldversuche in Freiburg oder Berlin, die diese Möglichkeiten erproben, gibt es schon. Viele träumen schon schon von Vorlesungen bekannter und bedeutender Wissenschafter und Nobelpreisträger, die, weltweit übertragen, den Studenten einen direkten Einblick in die Welt dieser Größen ermöglichen.

Neue Berufsbilder und Arbeitsformen

Wie jede neue Technologie bringt auch das Internet eine Verschiebung am Arbeitsmarkt. Durch das Desktop Publishing wandern die Aufgaben von den Setzereien zu den Journalisten, deren Computer setzen die Texte automatisch in druckbare Beiträge um. Genau so entsteht in den Hypertextdokumenten und Multimedianwendungen des Web eine immer größer werdende Konkurrenz für herkömmliche Massenmedien wie Fernsehen oder Zeitung. Bill Gates, der mit seiner Firma Microsoft zu den größten Softwareherstellern der Welt gehört, rechnet vor, dass die Speicherung eines Videofilms auf einem Rechner im Internet ca. 1600 US-Dollar kostet. Dies wird mit dem Aufwand einer Videothek verglichen, die täglich mehrere dieser Filme verleiht. Es reicht im Grunde ein einziger Rechner im Internet um die ganze Welt mit diesem Film zu versorgen, was das Aus der Videotheken bedeutete. Nur so lässt sich erahnen, welch eine Macht oder Verantwortung man besitzt, wäre man der Inhaber dieses Rechners. So folgt die Einkaufspolitik von Bill Gates auch diesem Prinzip, indem er gleichzeitig Datendienste und Fernsehstationen erwirbt.

Findet auf dieser Seite eine Monopolisierung statt, dann bilden sich auf der anderen Seite ganz neue Geschäftsfelder. In sogenannten Internetcafes wird ein Internetzugang zu einem bestimmten Tarif angeboten. Es wird das Surfen im World Wide Web einer breiten Öffentlichkeit ermöglicht. In dieser angenehmen Kaffehausatmosphäre soll das Internet seinen Schrecken in technischer Sicht verlieren und seine Möglichkeiten jedermann zugänglich gemacht werden, da noch sehr viele Menschen mit Skepsis behaftet sind, was das Internet betrifft. Inwieweit sich dieses Geschäftsfeld entfalten wird, ist noch eher fraglich, wesentlich stabilere Geschäftsfelder liegen in den sogenannten "Internet Shopping Malls", die mit Spezialprodukten einen ausgewählten Kundenkreis bedienen. Man kann also auch davon ausgehen, daß viele Versandhäuser sich verstärkt dem WWW widmen, da sie so einer größeren Kundengruppe zur Verfügung stehen. Viele Botendienste haben diese Möglichkeit schon längst erkannt. Man kann schon heute einfach über eine Benutzeroberfläche seine eigene Pizza zusammenstellen um sie eine Stunde später Zuhause verspeisen. Auch Reisebüros, die sonst immer über einen überhöhten Beratungsaufwand klagten, können heute Reisen anbieten, Reservierungen annehmen und alle relevanten Informationen dem Benutzer auf einer Webpage präsentieren.

Im Zusammenhang mit dem Internet entstanden bald auch eigene Berufsgruppen, die sich mit diesem Medium beschäftigten. Der Webmaster zum Beispiel kontrolliert die Web-Site und prüft sie auf ihren Inhalt und Stabilität, also ob der Benutzer auch alle Daten verarbeiten oder anzeigen kann. Er ist verantwortlich für die gesamte Site, an ihn richten sich auch Fragen und Beschwerden bezüglich des Inhaltes oder der Kompatibilität. Ihm zur Seite steht der Webdesigner, der für die eigentliche Gestaltung und Programmierung von Webseiten verantwortlich ist. Diese Aufgabe wird zusehends schwieriger, da professionelle und anspruchsvolle Webseiten nur unter modernsten Methoden erstellt werden können. Da er den ganzen multimedialen Inhalt mitträgt, hat er eigentlich den Status eines Medienkünstlers.

Aber nicht nur die Marktumgebung und die Unternehmen werden durch die Vernetzung verändert. Auch das Arbeitsverhältnis wird dadurch beeinflusst. Teleworking ist das Schlagwort, dass das Arbeiten außerhalb des Büros, für mehrere Millionen Amerikaner schon heute Realität, ermöglicht. Dabei soll Teleworking vor allem Kosten sparen. Es wird ein Büroplatz eingespart und die Fahrtkosten zum Arbeitsplatz entfallen. Es fallen zwar vorerst Kosten für die Beschaffung eines Heimbüros an, aber in Relation mit den oft teuren gemieteten Büroplätzen ist dieser Aufwand gering. Das Büro in der Firma wird ohnehin fast nie benutzt, so teilen sich folglich mehrere Telearbeiter einen Büroplatz. Diese Reduktion der Büroplätze senkt langfristig gesehen die Kosten für Miete und Ausstattung des Unternehmens. Dabei bedeutet Telearbeit nicht gleich Heimarbeit, da das Arbeitsverhältnis immer noch in einem gesetzlich überprüfbaren Rahmen liegen muss. In sogenannten Telearbeitszentren, die über einen Büroplatz und Internetanschluss verfügen, kann der Arbeiter seine Arbeit verrichten. Er wird zusehends zum Tagelöhner, da er jeden Tag für neue Auftraggeber tätig wird.

Häufiger ist das Büro zu Hause, man benötigt keinen Internetzugang, sondern bloss eine Telefonleitung. Mit einer Hardwarecodierung, die alle Signale zwischen PC und Telefonleitung verschlüsselt, wird ein Abhören der Daten verhindert.

Teleworking eröffnet einer großen Gruppe von Arbeitnehmern viele Vorteile. Die Arbeitsqualität ist erhöht und das Umfeld vertrauter und angenehmer. Durch den Wegfall von Anfahrten zu Firmen werden folglich auch die Verkehrsnetze entlastet, um so mehr werden die Datenautobahnen überlastet. Es herrscht keine Ortsgebundenheit, daher kann man auch international Arbeiten. Diesen Vorteil haben die Softwarefirmen erkannt, die Arbeiten verlegen sich immer mehr in Billiglohnländer. Große Flugunternehmen, Swissair zum Beispiel, haben die gesamte Abwicklung der Auftragsbearbeitung von Flügen nach Indien verlegt. Es findet schon ein Großteil des Software-Engineerings in diesem Land statt, Bangalore in Südindien wird schon mit dem kalifornischen Silicon Valley verglichen, dem Zentrum der Hard- und Softwareerzeugung nahe San Francisco. Doch diese Form der Arbeit ist nicht nur von Vorteil. Da die Mitarbeiter eines Unternehmens nicht direkt eingebunden sind, lösen sich die Organisationen nach altem Muster auf. Teamarbeit und persönliche Kontakte untereinander zerfallen, der einzelne Arbeiter wird zum einsamen Streiter ohne jeglichen Bezug zum Arbeitsumfeld. Diese Gefahr, praktisch ohne Arbeitnehmerschutz, ohne Fixierung der Arbeitszeit, führt den Teleworker dazu, sich selber immer mehr auszubeuten, da von ihm immer höhere Anforderungen verlangt werden. Darin liegt auch die Ursache, warum immer mehr Arbeitnehmer mit Vereinsamung und Isolation konfrontiert sind. Noch fehlen die Erfahrungswerte, um dieser Problematik auszuweichen. Doch scheint eine gesunde Mischung aus Heim- und Büroarbeit diesem Problem am ehesten gewachsen zu sein.


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