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Home - Programmieren - Spezifisches - Für wen denn noch Software entwickeln?



Für wen denn noch Software entwickeln?

Software wird entwickelt, um Probleme zu lösen. Aufgaben, deren Bewältigung zu teuer, zu fehlerhaft und zu ineffizient wären, würden sie von Menschen manuell erledigt werden, sollen ab einer gewissen Routine von einer Software übernommen werden. So weit, so gut, würde die Software genau das tun, was der Nutzer möchte.


Autor: Matthias Reuter (no_comment)
Datum: 27-10-2003, 21:10:01
Referenzen: PC-Intern.com
Schwierigkeit: none
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Rating: 7.33 (6x bewertet)

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Einleitung

Hier liegt das Problem: es hat sich eingebürgert, dass Firmen "mal schnell" ein Team von Programmierern einstellen, das sich mit dem Problem nie "hautnah" auseinandergesetzt hat.
Richtig "live" erlebt dies oft nur der Nutzer in der täglichen Arbeit. Und dieser gibt Probleme im besten Fall an die Firma oder sonst eine Programmiergruppe weiter. Optimalerweise nehmen die Programmierer das Anliegen des Nutzers an und verstehen es als Anlass, das Programm zu verbessern.

Da das Programmierteam aber dazu angehalten ist, sich gleich auf das nächste Projekt zu stürzen bzw. generell an verschiedenen Projekten gleichzeitig arbeitet, bleibt nicht viel Zeit, ein Projekt lange zu pflegen.

Oft werden dann auch für neue Projekte Programmteile aus anderen Projekten wiederverwertet. Somit treten alte Fehler und Unannehmlichkeiten auch immer wieder auf.

Um dem Leser mal eine konkrete Vorstellung liefern zu können, was sich schon alles in heutigen Programmen "eingebürgert" hat oder einfach nervig ist, folgen ein paar Beispiele:

Warum muss sich jedes neugestartete Programm sofort in den Vordergrund drängen? Oft starte ich für eine Aufgabe mehrere Windows-Programme gleichzeitig, z.B. wenn ich im Internet arbeite:
  • die Internetverbindung selbst (DFÜ),
  • ein Dateimanager inkl. FTP-Programm (Totalcommander),
  • das Mailprogramm (Pegasus Mail),
  • mein Instant Messenger (ICQ),
  • mehrere Browserfenster (bitte fragt nicht, welchen ich noch benutze...)
Jedes dieser Programme drängt sich in den Vordergrund:

Die DFÜ-Verbindung springt ins Fenster, um mir einen Status anzuzeigen, den ich schon etwa 2500 Mal gesehen habe und von der mich die Anzeige höchstens noch interessiert, wenn dann irgendwann doch mal ein Fehler auftreten sollte. Trotzdem: vielen Dank für diese ständige, unnötige Information.

Der ShareWare-Dateimanager muss erst mit einem Druck auf die Zahlentasten 1, 2 oder 3 (zufällig) zum Weiterstarten bewegt werden. Klar könnte ich mir die Vollversion kaufen, dennoch ist das eine bewusste Einschränkung auf Kosten des Nutzers. Schade.

Pegasus Mail ist da schon ein Stück weiter. Zwar wird auch dieser Task im Vordergrund gestartet, allerdings kann man auf das "Emails checken" Symbol klicken, wenn Pegasus Mail hinter einem anderen aktiven Task liegt, ohne dass Pegasus Mail in den Vordergrund gezogen wird.

ICQ ist ein Härtefall. Nicht nur was die völlig überladene und überhaupt nicht durchdachte Programm- und Menüstruktur, die das Laden das Programmes gerade bei älteren PCs zu einer Geduldsprobe werden lässt. Mindestens 3 Mal werde ich beim Eintippen einer URL in ein Browserfenster von ICQ unterbrochen.

Aber nicht nur das: Programme bestrafen den Anwender mit einer Icon-Flut auf dem Desktop (z.B. Realplayer & Quicktime Player), Autostarteinträge an den unterschiedlichsten Stellen (kann ein Betriebssystem nicht mal eine einheitliche Anlaufstelle dafür haben?), die Windows Tour, deren Existenz schon ein Sakrileg darstellt.
Aber auch nette Dreingaben, wie Software, die unbedingt mitinstalliert werden muss, damit sich eine andere rentiert, wie zum Beispiel das in der aktuellen DIV-X Version enthaltente Werbeprogramm GAIN.

Von der AOL Zugangssoftware möchte ich gar nicht reden, die bis dato noch keine abgespeckte Version zum Starten anbietet, geschweige denn eines direkten DFÜ-Zugangs.

Aber auch im Spiele-Bereich werden solche Erfolge gefeiert, zum Beispiel mit der Einführung von Steam. Hier versucht man nun kontinuierlich, die seit Jahren bestehende Spielergemeinde, gerade beim Spiel Counterstrike, mit einer unzureichend getesteten, neuen Vertriebsstrategie zu vergraulen.

Es gibt unzählige Beispiele für an und für sich gute Software, die am Benutzer vorbei entwickelt wurde. Daher meine Frage: Für wen denn noch Software entwickeln? Die Software wird nicht dem Benutzer angepasst; es wird versucht, den Benutzer der Software anzupassen.


paedubucher
Professonial
Beitrag vom:
26-05-2007, 18:01:53

Interessanter Artikel

Du schilderst darin ein paar wirkliche Nervereien im Windows-Alltag. Ich erlebe das auch täglich, wenn MSN in meiner Firma automatisch gestartet wird. Ich habe dann mal die Kontaktliste (die ich so früh morgens noch gar nicht anschauen möchte) und nebenann noch ein MSN-Werbefenster, das ich dann zuerst wegklicken "darf".

Also habe ich MSN entfernt und "Pidgin" installiert.

Zu Hause verwende ich fast nur noch OpenSource-Software. Diese ist in vielen Fällen von Leuten entwickelt, die sich an bestehenden Lösungen stören und die Situation etwas verbessern möchten. Von User, für User sozusagen.

Auf dem Desktop habe ich kein einziges Icon, oben habe ich eine Schnellstartleiste mit dem sauber aufgeräumten GNOME-Menü. Firefox, den Dateimanager und die Shell habe ich als Quick-Launch-Icon platziert, weil ich diese Software am meisten verwende. Das ist Usability :-)

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no_comment
Professonial
Beitrag vom:
12-11-2003, 20:15:33

Du sprichst mir aus der Seele.

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Es gibt nur 3 natürliche Feinde des Programmierers: Tageslicht, frische Luft und das unerträgliche Gebrüll der Vögel -- http://pc-intern.com http://straightvisions.com


Rolfhub
Senior Member
Beitrag vom:
11-11-2003, 23:08:50

Kenn ich nur zu gut

Ja, ich muss dir beipflichten, und ich möchte mich nicht auf Anwendungssoftware beschränken, auch die beiligende Dokumentation ist oftmals zum Haareraufen, ich (Computernutzer seit vielen Jahren und Informatikstudent) suche z.B. in der Regel detailierte Informationen, wenn ich mir schon mal die Hilfe (bzw. das Handbuch) durchlese, aber oftmals bekommt man nur Dinge erklärt, die man sich eh schon gedacht hat, aber nicht die Informationen, die man sucht. Die Linux-Man-Pages stellen oftmals das andere Extrem dar, hier bekommt man zwar so ziemlich alle Infos, die überhaupt relevant sind, aber es fehlen nur zu oft einfache Dinge wie z.B. Beispiele oder einfach die Beschreibung, welchem Zweck das Programm denn nun dient, was es kann, und was nicht.

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no_comment
Professonial
Beitrag vom:
30-10-2003, 16:32:13

Das ist mir bekannt(AOL per DFÜ)

Aber wieso brauchten die über 8 Versionen der Software, um diesen mangel zu erkennen? Ganz einfach, trotz der vielen Beschwerden und Wünsche der user wurde das Produkt konsequent am benutzer vorbei-designed.

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phil22
Junior-Member
Beitrag vom:
29-10-2003, 20:23:22

AOL über DFÜ

Ab Ende August kommen Besitzter von Breitbandzugängen (DSL) auch über DFÜ mit AOL ins Netz @de.aol.com und das Passwort reichen aus...wobei die möglichkeit nur eingeführt wurde um kunden zu halten die geradewegs zu t-online gelaufen sind, das sie xbox live benutzen wollten...siehe: http://www.heise.de/newsticker/data/uma-25.08.03-000/

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no_comment
Professonial
Beitrag vom:
29-10-2003, 09:50:59

Der Bereich Usability intersssiert mich weiterhin brennend. Ich werde auf deinen Hinweis mal weiter recherchieren. Wenn du noch weitere Quellen kennst, die zu deinem Hinweis passen, wäre ich dir für einen Hinweis dankbar.

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picard
Professonial
Beitrag vom:
27-10-2003, 21:22:12

Stichwort: Requirements Engineering

würde ich da noch behandeln. Es wäre nämlich genau der Weg, um auch Usability-Fehler zur vermeiden.

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"...denn wir arbeiten nicht nur um uns selbst zu verbessern, sondern auch den Rest der Menschheit!"


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